Wie Sie aus einer realen Krise eine gefühlte Katastrophe machen…

…Und wie Sie wieder heil herauskommen.

Schnaufend lasse ich meinen viel zu schweren Koffer auf den Boden krachen.

„Wieso musst du auch immer so viel Zeug mitnehmen!“ schimpfe ich innerlich mit mir.

Auf der Anzeigetafel über meinem Kopf lasse ich meinen Blick über die Abflüge der nächsten 3 Stunden schweifen.
12.00 Uhr nach Lissabon… 12.10 Uhr nach Paris… äh… und wo ist 12.15 Uhr nach Zürich?

Mein Herz schlägt mir bis zum Hals.

„Zürich ist nicht drauf?!“, höre ich mich mit gequetschter Stimme krächzen.

Sind Sie ähnlich talentiert wie ich, eine erlebte Krise in eine gefühlte Katastrophe auszudehnen? 

Wenn ja, sehen Sie sich nun in obigem Szenario schon auf einer kargen (kanarischen) Insel den Rest Ihres Winters verbringen. Einsam, in einer kleinen abgelegenen Hütte in den Bergen, weitab vom Meer, mit kaum was zu Essen. Der Grund? Ihr Chef hat Ihnen natürlich gekündigt, als Sie am Montag um 08.00 Uhr nicht wie abgemacht und gut erholt an Ihrem Schreibtisch gesessen sind. Und ohne Job kein Geld. Und ohne Geld kein Rückflug. Undsoweiterundsofort. 

Sie finden ich übertreibe ein wenig? Ja, das finde ich auch. Aber genau so läuft’s nun manchmal ab in einem kreativen Hirn.

(Da stellt sich natürlich die Frage, wie schlimm es tatsächlich wäre, die kalte Jahreszeit unter Palmen zu verbringen? …Aber das steht auf einem anderen Blatt Papier geschrieben.)

Wenn sie nur nicht diesen katastrophalen Beigeschmack hätte…

„Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“ Max Frisch

Krise macht eng, Druck und Angst, schüttelt durch. Die Krise: Ein Wort, bei dem es mir innerlich alles zusammenzieht. Und wenn sie noch den Beigeschmack von Katastrophe bekommt, wird sie richtig gross und schlimm. Die Dimensionen werden riesig, die Dramen grösser, die Perspektive wird vergessen. Geht es nur mir so oder kennen Sie das auch? 

Übrigens, dieser Artikel ist natürlich nicht per Zufall entstanden, wie Sie vielleicht schon vermuten. Die vergangenen Monate waren für mich in verschiedener Hinsicht sehr herausfordernd und ich bin dankbar, dass ich auf der „anderen Seite“ wieder heil herausgekommen bin. Wie ich das trotz gefürchigem Kopfkino geschafft habe, erzähle ich Ihnen im PS gerne.

Sabina mit Laptop in Gedanken

©www.pepshot.ch | Fotografin: Franziska Martin

Heute verrate ich Ihnen

  • meine 4-Schritte-Krisenbewältigungs-Strategie
  • dass ich manche Krisen doof finde
  • wie es sich anfühlt, „gut“ aus einer Krise hervorzugehen

Die echten Katastrophen meine ich nicht

Ich möchte hier gleich vorwegnehmen und Missverständnissen vorbeugen: es gibt sie selbstverständlich, die realen Katastrophen. Sie sind tragisch, dramatisch und lassen uns oft hilflos, ohnmächtig und verzagt fühlen. Da können wir uns nur umschauen (im eigenen Umfeld oder in der Welt) und werden fündig. Aber um die geht es heute nicht.

Drama selbstgemacht

Manchmal bietet uns das Leben die volle Ladung und wir stecken tatsächlich und real in einer Krise. Das ist Fakt. Das passiert. Die Krise kann klein sein. Oder gross. Was eine Krise definiert, ist absolut individuell. Meist zeichnet sie sich aber dadurch aus, dass sie spontan auftritt, uns kalt erwischt, uns aus der Bahn wirft. Das kann anstrengend und bedrohlich sein.

Durch eine lebhafte Phantasie und eine Prise Kreativität gelingt es uns, durch buntes Kopfkino die reale Krise zu einer gefühlten Katastrophe aufzublasen. Wir spulen innerlich Szenarien ab, welche ein schlimmes Ende haben.

Allein durch unsere Gedanken jagen wir uns so richtig Angst ein. Und – glauben Sie mir, so läuft’s bei mir manchmal ab – verlieren wir irgendwann den Bezug zu den Tatsachen. Wir sehen nicht mehr klar, werden mutlos und fühlen uns gefangen.

Haben Sie diese Begabung auch, sich so richtig ins Drama zu denken? Aber um hier nicht noch mehr Unheil heraufzubeschwören, möchte ich Ihnen zeigen, was sich für mich bewährt hat.

Meine 4-Schritte-Krisenbewältigungs-Strategie

Geeignet für Menschen, die mit viel Phantasie und Gefühl ausgestattet sind

  • 1. Kopfkino anhalten
  • 2. Gedanken sortieren
  • 3. Mit Lieblingsmensch sprechen (optional)
  • 4. Die mutige Frage stellen

1. Kopfkino anhalten

Ich suche mir einen ruhigen Platz und eine Tasse Cappuccino. Ich atme ein paar Mal tief durch und bremse mein um die eigene Achse kreisendes Denken durch ein lautes (oder innerlich gesprochenes) Stop! Und falls das Stop! noch nicht so richtig angekommen ist, muss ich es auch schon mal wiederholen.

2. Gedanken sortieren

Schritt 1 war noch recht leicht. Nun wird’s etwas schwieriger:
Ich versuche mich zu konzentrieren. Und Schritt für Schritt, mit Verstand, Herz und Intelligenz, die Realität von der herbeigedachten Katastrophe zu trennen.

Sprich: Ängste und andere Emotionen von den echten Tatsachen auseinanderzudröseln. Vergleichbar mit zwei verschiedenfarbenen Wollknäueln, die sich ineinander verheddert haben.

Was ist real? Was ist hausgemacht? Worum muss ich mir wirklich Sorgen machen? Und was ist nur ein wilder Auswuchs meines rotierenden Gehirns?

Hier ist eine Auswahl an Fragen, die mich gezielt weiterbringen:

  • Worum geht’s wirklich?
  • Was kann ich heute tun? 
  • Wie bündle ich meine Kräfte?
  • Welche Erfolgsstrategien kenne ich aus früheren schwierigen Situationen?
  • Wer kann mich unterstützen?

Das klingt erst mal ziemlich logisch und machbar, oder? Im idealen Leben schon.

In meiner persönlichen Realität aber muss ich meine wütend um sich schlagenden Gedanken immer wieder bewusst einfangen. Dann braucht’s vielleicht einen zweiten Cappuccino oder einen Spaziergang um den Block.

(Wer mich kennt, weiss, dass mein Spaziergang um den Block eigentlich eine Schiffahrt auf dem Zürichsee ist. Aber der Spaziergang tönt einfach besser – weil gesünder, frische Luft und so).

Manchmal schaffe ich es auf diese Art tatsächlich ganz allein, Ordnung in das Chaos zu bringen und nächste Schritte einzuleiten. Stift und Papier können dabei hilfreich sein. Wenn Sie wie ich technik-affin sind, ist es der Laptop, der herhalten muss, wenn ich wild auf die Tasten einhaue.

3. Mit einem Lieblingsmenschen sprechen (optional)

Manchmal braucht’s aber mehr. Manchmal brauche ich ein (auf)klärendes Gespräch mit einem meiner Lieblingsmenschen. Mit einem Menschen, der mich ernst nimmt und mir wohlwollend gesinnt ist. Und der mich erstmal einfach nur in den Arm nimmt und mir zustimmt, wie besch…n das Leben doch manchmal ist.

4. Die mutige Frage stellen (okay… es sind mehrere)

Und vielleicht fordere ich mich (in einem stillen Moment mit klarem Kopf und offenem Herz) sogar heraus und frage mich:

  • Wozu ist das, was mir da grad passiert, wichtig? Oder hilfreich?
  • Kann ich etwas für mich herausziehen, was mich in meiner persönlichen Entwicklung weiter bringt?
  • Kann ich durch das Erlebte eine Klarheit gewinnen, die mir früher nicht möglich war?
  • Tun sich Begegnungen oder Gelegenheiten auf, an denen ich früher achtlos vorbeigegangen bin?

Wenn es mir gelingt, eine andere Perspektive auf die Situation einzunehmen, schaffe ich damit die Basis, die Krise tatsächlich in irgendeiner Form produktiv für mich zu nutzen.

Ich darf nochmals Max Frisch zitieren:
„Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“

Von mir-sind-die-Hände-gebunden zurück ans Steuer 

Für mich lässt sich die 4-Punkte-Strategie in der Regel ganz gut einsetzen, weil ich dadurch wieder ein Gefühl von ich-sitze-selber-am-Steuer bekomme. Und die Ohnmacht von mir-sind-die-Hände-gebunden verblasst. Falls Sie ähnlich ticken wie ich, wirken die 4 Schritte stärkend und aktivierend.

Zudem lässt mich diese Haltung meinem Leben und den aktuellen Möglichkeiten gegenüber wieder offener und aufmerksamer werden. Und ab einem gewissen Punkt schaffe ich es sogar, meine Kreativität und meine Klarheit anzuzapfen.

Diesmal nicht mehr, um das Drama grösser zu machen, sondern um im Rahmen meiner Möglichkeiten für mich gute Lösungen zu erarbeiten. Ich erlebe mich wieder selbstwirksam und aktiv. Und tatsächlich sogar produktiv. Und das funktioniert für mich um Welten besser (und ist nebenbei bemerkt deutlich attraktiver), als mich hilflos auf den Boden zu legen und zu hoffen, dass die Krise irgendwann vorbei ist.

Klingt ein wenig zu perfekt? Finde ich auch 

Das tönt ja alles schön und gut und nach einem Einblick in das sorgfältig reflektierte Leben eines Coaches, denken Sie nun vielleicht. Hm… dem ist bei weitem nicht so.

Die nicht so ganz perfekte Tatsache ist, dass ich die ich-schmeiss-mich-auf-den-Boden-Variante schon x-fach ausprobiert habe. Sie ist sozusagen gut geübt. Nicht dass ich wirklich stolz darauf wäre. Aber weil ich noch nicht wusste, dass es auch Alternativen gibt, war das früher meine bewährte Art, mit Schwierigkeiten umzugehen.

Mit dem Schritt in die Selbständigkeit musste ich mich dann aber zügig und entschlossen nach hilfreicheren Möglichkeiten umschauen. Ich weiss nicht, wie ich sonst die in den letzten 4 Jahren auftretenden – ganz normalen – Krisen, überstanden hätte. 

Sabina schaut zum Fenster hinaus

©www.pepshot.ch | Fotografin: Franziska Martin

Kennen Sie eine elegante Abkürzung?

  • Kennen Sie die Boden-werf-Krisen-Bewältigungs-Methode auch?
  • Und falls meine 4-Punkte-Strategie Sie zur Nachahmung inspiriert hat: Wie kommen Sie damit klar? Würden Sie sie ergänzen?
  • Kennen Sie elegante Abkürzungen? Oder ungewöhnliche Wege, mit denen Sie sich sicher durch die Wirren des Lebens manövrieren?

Lassen Sie es mich gerne wissen, ich bin gespannt darauf.

Manche Krisen sind doof

Und ja, ich bin übrigens der Meinung, dass es Krisen gibt, die einfach nur blöd sind, um es mal gelinde auszudrücken. Unnötig, mühsam, ärgerlich. Ganz ohne etwas Schönzureden. Und von denen ich überhaupt nichts lernen will oder kann. Ich weiss nicht, wie es in Ihrem Leben ist aber in meinen vergangenen fast 50 Jahren gab’s diese Art von Krisen bei mir auch. 

Wie fühlt es sich nun aber an, „gut“ aus einer Krise hervorzugehen?

Vermutlich wissen Sie es schon, weil Sie es – bestimmt mehr als einmal – selber erlebt haben, oder?

  • Ging’s Ihnen ähnlich wie mir und Sie waren stolz auf sich, wie Sie die Situation gemeistert haben? Stolz im Sinne von Anerkennung und Wertschätzung sich selber gegenüber?
  • Haben Sie freudig bemerkt, dass Sie so schnell nichts mehr umhauen kann?
  • Waren Sie von sich selber überrascht, wie Sie über sich hinausgewachsen sind?

Wenn Sie nochmals von vorne anfangen könnten…?

  1. Was haben Sie durch die Bewältigung von Krisen über sich gelernt?
  2. Was würden Sie heute anders machen?
  3. Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der aktuell in einer ähnlichen Situation steckt wie Sie damals?
  4. Und wenn Sie ähnlich ticken wie ich: Wie haben Sie Ihren Erfolg gefeiert?

Verschmitzt oder zugeknöpft?

Fast zum Schluss möchte ich meine Freude darüber ausdrücken, wieder mit Ihnen in Kontakt zu sein! Beim Schreiben verbinde ich mich nämlich gedanklich gerne mit Ihnen.

Ich stelle Sie mir vor meinem inneren Auge vor… wie Sie beim Lesen meines Textes vielleicht verschmitzt lächeln… oder nachdenklich die Stirn runzeln. Wie Sie überlegen, ob Sie mir tatsächlich antworten sollen. Oder Ihre Gedanken lieber für sich behalten wollen.

Wie auch immer Sie sich entscheiden, ob ich von Ihnen hören oder lesen darf (juhuu!), oder es still bleibt auf Ihrer Seite (auch in Ordnung):

Ich hoffe von Herzen, dass es Ihnen richtig gut geht und Sie sich vom prächtigen Herbst begeistern lassen.

Ihre

Sabina Hediger

PS:

Besondere Massnahmen waren notwendig

Vielleicht ist die Tatsache, dass ich mich in den vergangenen schwierigen Monaten immer wieder habe coachen lassen, eine Überraschung für Sie. Aber besondere Situationen erfordern besondere Massnahmen.

Mich als Coach selber immer wieder professionell stärken und begleiten zu lassen, ist für mich eine absolute Notwendigkeit, um mich in meiner beruflichen Rolle als Sparringspartner in meiner Kraft zu halten. Und selbstverständlich wurde auch Sabina, die Frau, von diesen Gesprächen enorm ermutigt und aufgebaut.

In diesem Sinne geht ein grosses Dankeschön an meine geschätzte Coach Kara Pientka.

Und wenn es bei Ihnen grad rumpelt?

Falls Sie selber grad in einer Krise stecken und sich überlegen, sich professionelle Unterstützung zu gönnen, möchte ich Sie nur dazu ermuntern.

Aber entscheiden Sie selber, ob es sich für Sie lohnen würde, Ihr Leben schneller und effizienter wieder in den Griff zu bekommen. Oder zumindest wieder entspannter und ausgerichteter führen zu können.

Und wenn Sie bereit sind und Ihr Thema mit mir anschauen möchten, melden Sie sich gerne für ein kostenloses Vorgespräch – ich freue mich auf Sie.

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