23 Stunden Rhodos

Oder wie man das Wochenende so richtig in die Länge zieht.

Manchmal macht man Dinge, die einem auf den ersten Blick verrückt erscheinen. Und manchmal macht man Dinge, die auch auf den zweiten Blick noch ziemlich crazy sind. Und manchmal macht man Sachen, die einen ein ganzes Wochenende – und vorher und nachher – schmunzeln lassen.

Sowas haben wir letzthin an einem Wochenende gemacht. Ein verrücktes Ding der dritten Art, sozusagen. Wir sind nach Rhodos geflogen. Und zwar am Samstag hin und am Sonntag zurück. What?

Ich brauche Wärme. Aber bald!

Ja, Rhodos. Das Rhodos in Griechenland. Die griechische Insel meine ich. Rhodos ist knapp 3 Flugstunden entfernt. Ja verstehe. Aber wie kommt man auf so eine spinnerte Idee?

©Depositphotos | t_n_06

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An einem Donnerstag morgen geht das Abenteuer los:  Ich werfe einen Blick auf die Wetterprognose für’s Wochenende. Und wieder ist – statt Sonnenschein und Juni-Temperaturen – Regen und kühl angesagt. „Mir reicht’s, ich brauche Sonne. Wärme. Sommer. Und zwar bitte bald!“, klage ich.

Man kann auch nach Toronto

Gesagt, getan. Schnell ist der Laptop aufgeklappt und das Googeln geht los. Wo lacht wohl übermorgen die Sonne? Wo könnte man so kurzfristig hinfliegen? Mallorca? Ibiza? Italien? Die Suchmaschine liefert schon bald Ergebnisse. Nach Preisen sortiert. Da. Hier. Griechenland. Zu einem Schnäppchenpreis.

„Pfff… das gibt’s doch gar nicht. Also ich meine… das kann man doch nicht machen. Über’s Wochenende nach Griechenland fliegen. Also nein, sowas geht doch gar nicht. Also ehrlich… so was Unvernünftiges kannst du nicht bringen. Nein, das macht man nicht.“, mahnen und warnen mich meine inneren Stimmen.

„Obwohl… also so ein bisschen am Strand liegen, abends nett Essen gehen, den Sonnenuntergang geniessen, gemütlich im Hotel frühstücken… klingt doch nach einer schönen Vorstellung, oder nicht?“, meldet sich die andere Seite in mir.

Hin und her geht’s noch ne ganze Weile so weiter. Ein Gespräch mit einem Freund bringt Klarheit. Also wenn er schon mal für 24 Stunden nach Toronto geflogen ist, ist Griechenland eigentlich ein Katzensprung.

Kichern und Kopfschütteln im Wechsel

Samstag Nachmittag. Flughafen Zürich. In ein paar Minuten geht’s los. Unsere Stimmung ist irgendwie besonders. Eine Mischung aus Kopfschütteln und prickelnder Lebensfreude begleitet uns. Und das soll noch das ganze Wochenende über so bleiben. Bei mir drückt sich das mit einem erstaunten, manchmal übermütigen Kichern aus. Ein Kichern, wie wenn mich jemand bei einer Heimlichkeit ertappt hat. Ein Kichern, wie wenn ich dem Leben ein Schnippchen geschlagen hätte.

Das Spa muss warten

Pünktlich zum bevorstehenden Sonnenuntergang checken wir im Hotel ein. Die ausschweifenden Erklärungen der überaus freundlichen Rezeptions-Mitarbeiterin bezüglich Spa und sonstigen Annehmlichkeiten lehnen wir dankend ab. Wir sind nur 24 (genauer gesagt 23 Stunden) da. Und wir wollen raus. In die Sonne. Das Spa muss warten. Vielleicht beim nächsten Mal.

5 Stunden nach Abflug sitzen wir also mit einem Martini in der Hand in bequemen Loungesesseln auf der grossen Hotelterrasse und stossen auf den vor uns liegenden Sonnenuntergang an. Was für eine schöne Idee das doch war. Ein bisschen verrückt vielleicht aber echt gut.

Beim anschliessenden Nachtessen natürlich auch auf der Terrasse – und mit Sicht auf den stimmungsvollen Abendhimmel – sind wir uns einig, dass das doch eigentlich „nicht von schlechten Eltern ist“, sowas zu tun.

©Sabina Hediger

©Sabina Hediger

Es weckt einen definitiv auf, reisst einen aus der Routine und lässt einen das Leben wieder ganz deutlich spüren. Also uns ging’s jedenfalls so. Und wenn wir so überlegen, was wir zuhause an diesem trüben Samstag abend so gemacht hätten, ist das hier doch sehr attraktiv. Nix gegen gemütliche Abende… aber es ist Juni und nicht November.

Recht habt ihr

„Da fühlt man sich gleich wieder jung“ fand der Taxifahrer, der uns vom Flughafen zum Hotel gebracht hat. Er schwelgt verträumt in Erinnerungen an seine Jugend, als er unsere Story hört.

„Mit einem grossen Kastenwagen sind wir damals als Gruppe von Freunden von Thessaloniki nach Athen gefahren. 7 Stunden dauerte die Hinfahrt. Um 2 Stunden Kaffee zu trinken. Und dann wieder dieselbe Strecke zurückzufahren…“ Er lacht und meint „sowas macht man viel zu selten. Recht habt ihr. Mein Leben ist sehr verplant und vernünftig geworden in den letzen 20 Jahren.“

Nach dem Abendessen sind wir eigentlich müde. Und wenn da jetzt noch eine Woche Urlaub vor uns liegen würde, wäre klar, was zu tun ist. Schlafen gehen. Nach der langen Reise und so.

Aber jetzt, wo nur eine Gelegenheit ist, nach Rhodos in die Altstadt zum Schlendern zu gehen, schieben wir die Müdigkeit entschlossen zur Seite. Schlafen können wir, wenn wir alt sind. Oder nächstes Wochenende zumindest.

Als wir auf die Uhr schauen, ist es schon deutlich nach Mitternacht. Was für ein toller Abend das doch war! Wir geniessen einen letzten Drink auf der Plaka mit dem schönen Brunnen.

Der Platz ist bevölkert von jungen Menschen, die sich für den Abend schick gemacht haben. Das Wochenende ist eingeläutet und eine erwartungsvolle Stimmung liegt in der Luft. Was die Nacht wohl bringen wird?
„Das waren noch Zeiten…“, lächeln wir einander zu, bevor wir uns müde-glücklich ins Taxi setzen.

Wir machen: nichts

Es ist Sonntag und unser Kurztrip nähert sich seinem Höhepunkt. Nach einem ausgiebigen Frühstück machen wir nämlich: nichts. Das heisst, wir setzen uns an den Strand und lassen uns die Sonne auf den Bauch scheinen. Ahhh… herrlich! Genau so haben wir uns das vorgestellt. Am Donnerstag. Als wir das Arrangement gebucht haben.

©Sabina Hediger

©Sabina Hediger

Zuhause regnets und wir liegen frech in der Sonne. Was für ein fantastisches Gefühl! Ich bin rundum glücklich. Es ist nicht zu heiss und nicht zu kühl. Gerade richtig. Ein leichter Wind geht und es fühlt sich einfach nur gut an. Wir geniessen jede Minute. Fast viertelstündlich schmunzle ich in mich hinein und kann es fast nicht glauben, hier zu sein.

Und weil’s so schön ist, tun wir doch noch was: wir schwimmen ein bisschen im Meer, lassen uns treiben. Phah, was für ein Sonntag Nachmittag. Statt zuhause zwischen Sofa und Waschmaschine hin- und herzupendeln, sind wir mit dem Einschmieren von Sonnencreme beschäftigt. It feel’s good!

Der Nachmittag zieht sich in die Länge und nach einem Liegestuhl-Nickerchen und einem letzten Schwumm im Wasser machen wir uns auf den Weg zum Flughafen.

Er findet es cool. Wir auch.

Mit einem Vanille-Eis in der Hand gehen wir zum Gate und kurz darauf hat uns das Flugzeug wieder.
Unser Sitznachbar, mit dem wir ins Gespräch kommen, war eine Woche da. Und fand es herrlich. Wir auch. Und ja, wir sind erst gestern angekommen. Und reisen heute schon wieder zurück. Er kann es kaum glauben. Wir ja auch nicht. Und er wiederholt den ganzen Flug über immer wieder „ihr seid ja cool, echt! Sowas habe ich ja noch nie gehört!“.

Wir finden das ehrlich gesagt auch cool. Und wir werden sowas definitiv wieder mal machen. 

Wieder zuhause habe ich den Eindruck, drei Tage weggewesen zu sein. Weit weit weg. Und ganz ganz lang. Bisher die längsten 23 Stunden in meinem Leben. Und ich bin ja nun auch nicht mehr 20.

Und Sie so?

Wann haben Sie das letzte Mal etwas wirklich Verrücktes gemacht? Etwas, worüber Sie noch immer Schmunzeln müssen, wenn Sie dran denken?

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8 Kommentare on “23 Stunden Rhodos

  1. Liebe Sabina,

    wow, diese verrückte Geschichte ist definitiv sehr cool und bringt einem zum schmunzeln!!
    Das mag ich euch von Herzen können, das Leben ist zu kurz um zu Hause mit nassen Wetter zu befassen. Wir brauchen Sonne um Energie zu tanken, daher ist eure 23h Kurz-Trip-Idee bestens für die Seele. Ja, das sollten wir alle zwischendurch mal machen.

    Ich glaube, dann hätten wir auch mehr zufriedene Gesichter auf unseren Strassen. Man bekommt einfach zuwenig lächeln zurück. Es fehlt oft die Lebensfreude und Spontanität!

    Sabina, ich finds klasse das du uns die verrückte Idee mit einem Beitrag teilst. 😉

    Ganz liebe Grüsse aus Luzern
    Chettra

    • Vielen Dank, lieber Chettra! So ein Ausflug ist tatsächlich ein Lebensfreude-Booster. Jedenfalls für mich war es das.

      Auf viele spannende Abenteuer!

      Herzlich Sabina

  2. Ach übrigens, zum Thema Lebensfreude!

    Sabina, durch dich habe ich meine Persönlichkeit zurück gefunden und arbeite daran mein Weg einzuschlagen. Unsere viele Gespräche waren sehr intensiv und ich konnte mit dir meine ganze Situation, Gefühle & Befindlichkeit anvertrauen. In Momenten indem man sich verloren fühlt, ist dies ein Rückgrad um zu sich Selbst zu finden. Alles hat seinen Sinn, wenn man die Sachen aus einer anderen Sicht betrachtet und reflektiert. Das aller wichtigste ist, dass man nie seine Lebensfreude und Hoffnung verliert, es ist die Essenz des Lebens. Ohne diese sind wir nur Geschöpfe ohne Seelen und ohne Seelen sind wir nicht wir selbst!

    Deine positive Haltung zum Leben ist eine Bereicherung für uns alle. Ich danke und schätze dich von ganzem Herzen.

    Jeder Tag ist ein guter Tag. Kommt immer drauf an was man draus macht! 🙂
    Chettra

    • Lieber Chettra

      Vielen Dank für deine sehr persönlichen Zeilen! Wow, ich bin sehr berührt. DANKE!

      Es hat mir viel Freude gemacht, mit dir arbeiten zu dürfen und ich wünsche dir ein rundum sattes Leben 🙂

      Herzlich Sabina

  3. Grüezi Frau Hediger

    Einfach wunder- wundervoll die Geschichte und die einzig richtige Entscheidung :-). Ich musste schmunzeln und konnte mich richtig in Ihre Lage versetzen – auf das Stimmenwirrwarr im Kopf! Aber schlussendlich muss man auf sein Gefühl höhren und sich die Frage stellen: „auf was hätte ich jetzt Lust, jetzt und sofort und am liebsten so schnell wie möglich“….da kann man sich nur in den Flieger setzen. Soooo toll und es freut mich, dass sich der Ausflug gelohnt hat und Sie ein bisschen Sonne und Energie tanken konnten. Beides kann man immer gebrauchen :-).

    Viele schöne Sommertage wünsche ich Ihnen!!!

    Liebe Grüsse

    Daniela Bruschi

    • Liebe Frau Bruschi, ich freue mich, dass Sie sich für mich freuen 🙂 Auch Ihnen wünsche ich einen tollen Sommer – gespickt mit spannenden Abenteuern! Herzliche Grüsse und bis bald, Sabina Hediger

  4. Liebe Sabrina, tolle Storry! So macht das Leben Spass 🙂 Ich habe dieses Jahr eine ähnliche Geschichte erlebt. Ich lebe in Potsdam, mein bester Freund in Zürich. Dieses Jahr wurde er 40 und das mitten in der Woche. Meine Freundin und ich überlegten wie wir ihn so richtig überraschen könnten. Ein außergewöhnliches Geschenk, einen schönen Freundetag wenn er wieder mal in Berlin ist oder. .. wir entschieden uns für ODER! wir buchten einfach 2 Flüge von Mittwoch zu Donnerstag und wollten ihn am Abend nach seiner Arbeit überraschen. Von seinem Freund der natürlich still gehalten hat, wurden wir um 19:00 abgholt und sind dann direkt in das Café wo unser Basti seine kleine Abendfeier geplant hatte. Es war ein toller sonniger Abend im April und die Truppe saß draußen und alle gratulierten ihm. Natürlich hatten wir ihn tagsüber schon beglückwünscht und sogar noch am Nachmittag miteinander telefoniert 🙂 Er ahnte also so gar nix! Als wir dann im Doppelpack an den Tisch kamen, konnte er es einfach nicht fassen!!! Es schossen diesem Kerl die Tränen in die Augen. Und dann hatten wir einen wunderbaren Abend in netter Runde und eine sehr kurze Nacht. Wir haben nur 3h geschlafen, da unser Flieger schon wieder um 7:30 ging. Um 10 uhr waren wir also wieder an unseren Arbeitsplätzen und haben auch den ganzen Tag und noch lange Zeit danach über unsere spontane Aktion geschmunzelt! Das tollste jedoch ist, das unser Freund das nie vergessen wird und weiß, das Freunde eben immer füreinander da sind. Sonnige Grüße nach Zürich!

    • Guten Morgen liebe Anne

      Oh was für eine tolle Idee! Vielen Dank für diese Ihre Geschichte. Sie inspiriert mich gleich für neue Taten.

      Ich kann nur erahnen, wie berührt ihr Freund da war. Und er wird es bestimmt sein Leben lang nie vergessen. Ich meine, das sind so einmalige Dinge – die kann man, wenn man mal 80 Jahre alt ist, noch immer erzählen. Wie schön!

      Herzliche Grüsse

      Sabina Hediger

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